Sonntags-Zeitung: Alle wollen ins oberste Stockwerk - und dort in die offene Küche

13.07.2008, Schweiz

Noch wichtiger ist den Schweizern bei der Wohnlage der ÖV-Anschluss.

Die Müllers – Mutter Claudia, 39, Vater Thomas, 41, Sohn Pascal, 10 – leben in der Agglomeration Zürich, sie wohnen zur Miete in einem Mehrfamilienhaus. Vier Zimmer auf 96 Quadratmetern, «Chlötzli»-Parkett aus Eiche und Rollladen, die jeden Abend zur selben Zeit runtergelassen werden. Die Müllers, eine fiktive Schweizer Durchschnittsfamilie – ihre Wohnwünsche werden regelmässig von der Zürcher Werbeagentur Jung von Matt ermittelt.

Den meisten Schweizern gefällt es in ihrer Wohnung oder ihrem Haus; 72 Prozent der Bevölkerung sogar «sehr gut», 25 Prozent «ziemlich gut». Das ergibt der neueste Immobilien-Barometer, den Wüest & Partner zusammen mit der NZZ alle zwei Jahre erstellt. Dennoch: Ein Viertel aller Wohnungsmieter und Hausbesitzer spielt mit dem Gedanken, irgendwann umzuziehen. Das will gut überlegt sein, die Wohnlage ist dem Schweizer nämlich sehr wichtig, fast ebenso wichtig wie «Befriedigung bei der Arbeit». Wichtiger noch als gut essen, viel Freizeit, Reisen oder Auto.

Besonders attraktiv sind zurzeit die am schnellsten wachsenden Wirtschaftsgrossräume Genfersee und Zürich. Dazu gehört Winterthur, das von der Nähe zum Flughafen, der Autobahn und idealen Anschlüssen ans öffentliche Verkehrsnetz profitiert. Der ÖV-Anschluss ist für über die Hälfte der Schweizer entscheidend bei der Wahl des Wohnorts.

Immer mehr träumen vom eigenen Haus mit Garten
Das Immobilienportal Homegate führt momentan 50000 Angebote. Besonders gesucht seien Immobilien an exldusiven Standorten, gerne in Trendquartieren oder Seenähe, sagt Myriam Reinle von Homegate. Bevorzugt seien entweder zentral gelegene Wohnungen in der Stadt oder in der Agglomeration, Bedingung: «Gute ÖV-Verbindungen, kleiner Ausländeranteil und steueroptimiert.»

Ob Stadt oder Agglomeration, gefragt sind Wohnungen mit grossen, hohen Räumen, Bodenheizung, moderner Küche und viel Fensterfläche. Die Leute wollen Licht; «Licht und Sonne», das ist das Hauptkriterium bei der Wohnungssuche. Entscheidender noch als die Höhe des Mietzinses, die Geräumigkeit oder der Umgebungslärm. Und alle wollen sie ins oberste Stockwerk, mit Ausnahme von Familien mit kleinen Kindern oder Katzenhaltern, welche die Parterrewohnung mit Gartensitzplatz vorziehen. Immer mehr Schweizer träumen vom eigenen Häuschen mit Garten. Die Swisshaus
AG in St. Gallen – «wir stehen für Schweizer Qualität durch und durch» – erstellt seit 1996 «schlüsselfertige Einfamilienhäuser mit Festpreisgarantie für jedes Budget ». Knapp 300 Häuser pro Jahr, so viele wie noch nie zuvor, seien in den letzten zwei Jahren gebaut worden, sagt Michle Rova von Swisshaus. Am beliebtesten ist das Hausmodell Altea – «ein einfaches, kompaktes, familienfreundliches Haus von schlichter Schönheit» schlüsselfertiger Festpreis: 369 100 Franken. 73 Altea-Häuser sind 2007 entstanden. Im Trend, so Rova, liege die offene Küche. «Die Küche als Kommimikationszentrale » – das ist die Zukunft. Noch ist die gute Stube das Herzstück der Wohnung. So auch bei Müllers, der Schweizer Durchschnittsfamilie. In ihrem Wohnzimmer gruppiert sich alles um den Fernseher, gross und silbrig, Marke Panasonic.

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