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Klassische Stadtvilla

Weil kein passender Altbau zu finden war, entstand ein Neubau nach alten Vorbildern. Das Haus im Stil einer neubarocken Stadtvilla der 1930er Jahre präsentiert sich edel, zeitlos und elegant.

Der Innenarchitekt Marcus Schurter hat sich auf unbekanntes Terrain gewagt: Für den eigenen Wohnbedarf plante er am Reissbrett ein komplettes Haus – vom Grundstein bis zur Sofaecke. Sein individueller Entwurf für einen Neubau im alten Stil bringt topmodernen Komfort und Altbauflair zusammen. Vom Generalunternehmer Swisshaus realisiert, ist «Haus Schurter» heute ein Ort der Ruhe und Geborgenheit.

Kompakt, klassisch, stilvoll

Edel, zeitlos und elegant, mit dem Charme einer neubarocken Stadtvilla der 1930er Jahre. Der Schweizer Innenarchitekt Marcus Schurter gerät ins Schwärmen: «Das ist für mich der Inbegriff eines stilvollen Wohnhauses». Wer mit solchen Bildern vor Augen in Zürich und Umgebung auf Immobiliensuche geht, muss Idealist sein – oder Humor beweisen können. Schurter lacht, als er sich an die Zeit vor zwei Jahren erinnert. «Zu einem vernünftigen Budget war kein schöner Altbau auf dem Markt.» Den Traum von der eigenen Villa gab er dennoch nicht auf: In freien Stunden griff er selbst zum Bleistift. Er plante und zeichnete, und was hinterher die Papierbögen zierte, entsprach ganz den Vorstellungen, die er sich als Kind von seinem Idealhaus gemacht hatte: Ein kompakter, klassischer Bau mit hohen Fenstern und grosszügigem Treppenhaus. Schurter war begeistert, gleich zeitig aber auch skeptisch: Ob sich seine dreistöckige Villa zu annehmbaren Kosten verwirklichen liess?

Neues Haus im alten Stil

«Nach der Entscheidung, selbst zu bauen, ging alles recht schnell», erzählt der frisch gebackene Bauherr. Glück und Zufall brachten ein sonniges und ruhiges Grundstück in einer kleinen Gemeinde am Zürichsee ins Spiel – für Schurter der ideale Baugrund für sein Haus. Der Kauf war bald abgewickelt, die Architektenfrage allerdings noch offen. Über Freunde wurde er schliesslich auf Swisshaus aufmerksam, einen Generalunternehmer, der Einfamilienhäuser nach individuellem Kundenwunsch baut. Eins zu eins setzte der verantwortliche Projektleiter Alois Birrer von Swisshaus die detaillierten Handzeichnungen des Innenarchitekten in computergerechte CAD-Pläne um. Das Projekt stand nun auf sicheren Füssen, im Oktober 2009 begannen die Bauarbeiten. Unkompliziert sei die Zusammenarbeit mit Swisshaus gewesen, sagt Schurter, ein professionelles Team von Fachleuten, Architekten und Bauleitern habe ihn während der gesamten Bauphase begleitet und entlastet. Nach elf Monaten war das neue Haus im alten Stil bezugsfertig.

Sonnendurchfluteter Wohnbereich

Tatsächlich erkennt man erst im Innern, dass es sich bei dem weiss verputzten Backsteinhaus mit dem steilen Walmdach und den anthrazitfarbenen Fensterläden um einen nach modernem Standard konstruierten Neubau handelt. Der Eingang an der Nordfassade führt durch ein kleines Entrée mit eingebautem Wandschrank in den grosszügigen, sonnendurchfluteten Wohnbereich. Keine Schwelle, keine Tür stört hier das Prinzip des offenen Wohnens. Während im 'Salon' ein schwarz-glänzender Flügel zum Musizieren und die lange Esstafel zum Speisen und Feiern mit Freunden einladen, strahlt das zurückversetzte kleine Wohnzimmer einen intimeren Charakter aus: Sofa, Tapete und Wohnaccessoires sind in dem gleichen braunen Schlammton gehalten und verleihen dem Raum eine harmonische, behagliche Atmosphäre. Im Winter spendet der eingebaute Gaskamin wohltuende Wärme. Mit 2,55 Metern lichter Höhe ist der Innenraum im Erdgeschoss niedriger als er wirkt – die hohen, doppelflügeligen Terrassentüren in den Garten und bodenlange Leinenvorhänge strecken die Räume optisch. Der nahtlose Übergang auf die fast 35 m² grosse geschützte Terrasse erweitert den Wohnbereich ins Freie. Dank der dezent in die Überdachung integrierten Wärmestrahler kann man hier draussen bis weit in den Oktober hinein das schöne Wetter auskosten. Im Winter und Vorfrühling nutzt Marcus Schurter den Aussenraum für fantasievolle Jahreszeiten-Arrangements von Dekoobjekten, Fund- und Sammlerstücken aus aller Welt.

Klassisches Ambiente, rustikale Details

Um die Baulinie einzuhalten, musste auf eine grosszügige Wohnküche verzichtet werden. Dafür scheute der Bauherr, der auch für Entwurf und Ausstattung der Küche verantwortlich zeichnet, keine Kosten und Mühe, «um das Beste aus diesem Raum herauszuholen.» Passend zum klassischen Ambiente des Hauses wählte Schurter für die mit Drucköffnungsbeschlägen versetzten Schubladen der Küche sowie für Einbauschränke eine Oberfläche in Hochglanz weiss – und als rustikalen Kontrast dazu eine massive Arbeitsplatte aus dunklem, geflammtem Nero Assoluto. Nach dem Motto «was nicht schön ist, wird verschönt» verpasste der Innenarchitekt dem Dampfabzug eine dezente, farblich abgesetzte Gipsverkleidung; technische Geräte wie Espressomaschine und Stereoanlage verschwinden hinter einem clever konstruierten Einbauregal mit Rollladensystem. Für gute Lichtverhältnisse sorgt das über Eck eingelassene rechteckige Fensterband: Am antiken Hochtisch lässt sich hier schon morgens beim Frühstück die Sonne geniessen.

Purer Luxus wie im Hotel

Vom Wohnbereich führt eine gemauerte, solide Treppe in geschwungener Linie ins Obergeschoss. Marcus Schurter rückte in seinen Plänen das Treppenhaus als Verbindungsachse zwischen den Etagen ins Zentrum des Hauses: «Für mich ist das keine Platzverschwendung, sondern zeugt von einer gewissen Grosszügigkeit.» Diese stand auch bei der Raumaufteilung Pate: Neben einem geräumigen Badezimmer, in dem die in ein Podest eingelassene Badewanne zum unumstrittenen Mittelpunkt wird, hat Schurter ein eigenes Zimmer als Duschkabine eingerichtet: «Purer Luxus wie im Hotel.» Den nach Süden ausgerichteten Balkon betritt man wahlweise vom Büro oder vom Schlafzimmer – der stetige Bezug zum Aussenraum ist wichtiger Teil des Wohnkonzepts. Gekonnt setzt sich auch das aus dem unteren Geschoss bekannte Spiel von alt und neu im Privatgemach des Hausherrn fort. Eine Schiebetür trennt das Schlafzimmer von Gang und Treppe, und auch die Fussbodenheizung und die dreifachverglasten Fenster mit Fliegengitter und Sonnenstoren verraten moderne Funktionalität. Dagegen lassen die Stuckatur sowie die präzisen Schreinerarbeiten im Raum, etwa die zwölf Zentimeter hohen Sockelleisten und die massgefertigten Türumkleidungen, nostalgische Gefühle hochleben. «Diesen Stilmix auf die Einrichtung der Innenräume zu übertragen, erschien mir nur konsequent», sagt Schurter. So finden sich beim Mobiliar verschnörkelte, verspielte Elemente neben klassischen Formen und puristischem Design.

Vanille, Schlamm und Aubergine

Der eigentliche Clou liegt aber in der hinter dem Treppenraum gelegenen Ankleide: Einem schlauchförmigen Zimmer mit offenen Regalsystemen bis unter die Decke. Dass man von hier gleich das angrenzende Wasch- und Bügelzimmer erreicht, zeugt vom Sinn des Innenarchitekten auch fürs Praktische: Schönheit beinhalte nicht nur eine ästhetische Komponente, sondern sei auch eine Frage der Tauglichkeit im Alltag. Und so hat Schurter in seinen Gestaltungsplänen nichts dem Zufall überlassen. Sein Farbkonzept beispielsweise – «keine weisse Wand, dafür verschiedene Tönungen von Vanille, Schlamm und Aubergine» – ist das Ergebnis langjähriger Beschäftigung mit internationalen Trends aus Design und Mode. Im ausgebauten Dachgeschoss sind die schrägen Wände mit einer hochwertigen, klassischen Streifentapete in braun-anthrazit bezogen. Momentan wird der offene Raum noch nicht bewohnt – nur den ins Volumen eingeschnittenen Balkon mit Seesicht nutzt Schurter regelmässig als Rückzugsort oder «Raucher-Club» bei Partys. Zur Wohnfläche aufgewertet hat der Bauherr Teile des Untergeschosses: Hier findet sich ein grosser Fitnessraum mit professionellem Dampfbad und Zugang zum aufwendig angelegten Aussenbereich.

Aussenanlage auf zwei Ebenen

Durch die Erhöhung der Erdgeschossetage um einen Meter musste auch die Hälfte der Gartenfläche entsprechend aufgeschüttet werden. Der schöne Nebeneffekt: Eine Aussenanlage auf zwei Ebenen. «Ich wollte den Wohnraum über die Terrasse hinaus verlängern», erklärt Marcus Schurter bei einem Gang durch sein Reich. So steigt man ein paar Stufen hinunter zu einem Holzdeck, wie man es in einer typischen Zürcher Badi findet. Zwar wartet hier kein See zum Abkühlen auf Schwimmer, aber ein neunmal drei Meter breites Becken mit beeindruckendem Wasserfall. Schatten spenden im Sommer die dreistämmigen Schirmplatanen, «die sich dann zu einem wunderschönen grünen Dach vereinen.» Als Sichtschutz und Umgrenzung wurden kompakte Steingabione aufgestellt sowie eine dichte Eibenhecke gepflanzt. An zwei Wasserläufen entlang geht es in den vorderen, höher gelegenen Gartenteil mit romantischem Rosenpavillon und Grillplatz. Von den verschiedenen Sitz- und Essplätzen im Garten, schwärmt Schurter, könne man das Haus von einer jeweils anderen Seite geniessen. Einen Ort der Ruhe und Geborgenheit habe er sich gewünscht – «heute kann ich sagen: Das Haus bin ich.»

«Heute kann ich sagen: Das Haus bin ich.»

Marcus Schurter, Bauherr