close
close

Massiv- oder Holzbauweise?

Vor der Planung steht die Qual der Wahl: Massiv- oder Holzhaus? Beide Baustile bringen Vorteile und Nachteile mit sich. Masse, Kosten, Bauzeit – Reto Sieber, Filialleiter von Swisshaus, erzählt im Interview von den Unterschieden.

Angenommen ich habe mich für Massivbauweise entschieden, was sind hier die Vorteile?
«Bei Massivbauweise sagt es bereits der Name: massiv gleich Masse, Werthaltung und gute Speicherkapazität.»

Hat dies auch einen Einfluss auf den Wert des Hauses?
«Sachlich gesehen eigentlich nicht. Aber beim Schweizer Bürger hat es einen Einfluss. Das Massive ist bei ihm immer noch verankert als Werthaltung.»

Was sind denn die Nachteile dieser Bauart?
«Ein Nachteil ist die Lüftungsthematik. Entweder hat man eine gute Nase und nimmt Stosslüftungen vor oder man baut eine Lüftungsanlage ein. Denn die Massivbauweise, heute zumeist verwendet als Kompaktfassade, wirkt so, als wenn Sie einen Regenmantel anziehen. Es «schwitzt». Die Konstruktion kann nicht diffundieren.»

Was sind die Vorteile der Holzbauweise?
«Sie können auf wenig Raum sehr hohe Wärmedämmwerte, heute bekannt als U-Werte, erreichen. Vor allem in vorstädtischen Zonen, in denen Sie wenig Ausnützungsziffer haben – in Überbauungen, die sehr kompakt sind – können Sie effektiv Wohnraum gewinnen.»

Welche Bauweise ist vorteilhafter für ökologisches Bauen?
«Ich denke, hier ist die Holzbauweise zu nennen. Ich würde nicht sagen, dass dies beim Massivbau nicht möglich ist, aber es braucht sicher mehr Kienschmal, um etwas zu erreichen.»

Gibt es auch Nachteile bei der Holzbauweise?
«Ein Holzbau hat wenig Masse. Daher ist der Schallschutz ein Thema. Ein weiteres sind die Installationen. Beim Massivbau kann man für Elektroinstallationen schlitzen und spitzen. Bei der Holzkonstruktion muss man Installationsraum schaffen. Es braucht mehr Planung im Vorfeld.»

Thema Brandgefahr – besteht hier ein hohes Risiko bei der Holzbauweise?
«Grundsätzlich ist in der Schweiz das Thema Brandschutz mit den Brandschutzvorschriften sehr gut geregelt. Bei Verkleidungen, Verputz oder Putzträgerplatten ist der Brandschutz sowieso schon gewährleistet. Bei sichtbarem Holz gibt es sicherlich gewisse Zonen, auf die man ein besonderes Augenmerk haben muss.»

Gibt es bei den Kosten einen grossen Unterschied zwischen den beiden Bauarten?
«Die kürzere Rohbauzeit reicht aus Erfahrung nicht aus, dass der Holzbau deshalb günstiger wird. Ich nehme jetzt bewusst die gesetzlich vorgegebene Basis. Dort ist der Holzbau auch heute ein bisschen teurer. Anders sieht es aus, wenn man im Bereich Minergie oder Minergie-P baut – wegen der dünnen Wandstärken bringt Holz schnell einen guten U-Wert. So kann es sein, dass das Pendel auf die andere Seite umkippt und mit Holz sogar günstiger gebaut werden kann.»